Mollys Kolumne Juli 2021

Foto: B. Uhlig

Liebe/r Leser/in,

nein, auch wenn es auf dem Foto so aussieht, als hätte ich geweint, steckt doch etwas anderes dahinter. Eine ganz profane Bindehautentzündung. Leider nicht zum ersten Mal, ich habe immer mal wieder damit zu kämpfen. Das Auge brennt und tränt, das Lid schwillt an und alles juckt wie verrückt. Frauchen hat es zum Glück sehr früh bemerkt und mich sofort zum Tierarzt geschleppt. Ich geh da ja nicht so gern hin, aber in diesem Fall war schnelle Hilfe nicht verkehrt, das muss ich doch zugeben.

Eine Bindehautentzündung kommt bei uns Katzen gar nicht mal so selten vor. Eigentlich nichts weltbewegendes, aber da die Entzündung schnell voranschreitet und schwerwiegende Folgen haben kann, ist dennoch schnelles Handeln geboten.

Es können beide, aber auch nur ein einzelnes Auge betroffen sind. Sind die Tränen anfangs noch sehr wässrig, verändern sie sich nach einigen Stunden bis wenigen Tagen zu einem eitrigen Schleim. Es kommt zu Schwellungen im Augenbereich, juckt furchtbar und man kneift als Katze das Auge zusammen.

Spätestens jetzt ist Tierarzt angesagt, sonst kann es zu Verklebungen des Auges und zu Verwachsungen des dritten Augenlids mit der Hornhaut kommen. Schwere Folgeschäden bis hin zur Erblindung und zum Verlust des betroffenen Auges können auftreten. Bindehautentzündungen heilen ohne das richtige Medikament nicht ab!!! Von Hausmittelchen wie Kamillentee ist dringend abzuraten. Dieser enthält auch aufgebrüht noch winzige Härchen, die das Auge zusätzlich reizen können.

Die Ursachen für eine Bindehautentzündung sind vielfältig. In Fragen kommen sowohl infektiöse (verschiedene Bakterien, Viren und Pilze), als auch nicht infektiöse Gründe, wie z.B. Zugluft,  Allergien, Fremdkörper, Schmutz und Verletzungen. In meinem Fall ist sehr wahrscheinlich das Calici-Virus schuld, dass ich in mir trage, weil die Entzündung immer mal wieder auftritt.

Infektiöse Bindehautentzündungen sind häufig ansteckend, ein Problem im Mehrkatzenhaushalt, aber auch für den Menschen. Daher ist Abstand halten angesagt, sowie regelmäßiges Hände waschen. (Darin habt ihr Menschen ja mittlerweile viel Übung…) Umgekehrt kann auch der Mensch sein geliebtes Haustier infizieren.

Mir wurde zur Behandlung zweimal täglich für mehrere Tage eine Augensalbe aufgetragen. Obwohl ich eigentlich ein großes Eigeninteresse an der Genesung hätte haben sollen, habe ich es meinen Menschen nicht leichtgemacht und sofort das Weite gesucht, wenn sie mit der Tube aufgetaucht sind. Letztlich konnte ich aber den Leckerchen nicht widerstehen und habe mich immer wieder anlocken lassen. War natürlich alles Strategie, um ein paar Extras abzustauben.

Inzwischen ist alles verheilt und ich habe wieder den vollen Durchblick.

Bis zum nächsten Mal,

Deine Molly SAMTpfote

Mollys Kolumne Mai/Juni 2021

Bastet
Foto: B. Uhlig

Liebe/r Leser/in,

in den letzten Jahrzehnten ist die Lebenserwartung von uns Katzen deutlich gestiegen, weil wir mittlerweile in der Regel als Familienmitglieder wahrgenommen und mehr umsorgt werden, insbesondere was die medizinische Versorgung betrifft. Es ist ganz interessant, dies mal in Menschenjahre umrechnen, finde ich. In den ersten zwei Jahren schalten wir Miezen den Turbo ein, sind mit 1 schon Teenies und erreichen mit 2 eine Entwicklung wie ein Menschen mit etwa 24. Danach entspricht jedes Katzenjahr etwa vier Menschenjahren. Wenn ich das mal zusammenrechne, ist unsere liebe Bastet 104 Jahre alt geworden.

Sie ist vor kurzem im Alter von 22 gestorben. Wir sind alle sehr traurig. Aber was für ein tolles, langes Leben für eine Katze! Und das kam nicht von ungefähr. Bastet war eine richtige Kämpfernatur und hat sich immer durchgebissen. Sie musste einiges mitmachen, wie mancher treue Leser des Newsletters sich vielleicht noch erinnert. (Wer ihre Geschichte nachlesen möchte, kann das hier tun oder im Archiv stöbern.) Die letzten Jahre machten ihr die Schilddrüse und die Leber zu schaffen, dank täglicher Medikamenteneinnahme jedoch händelbar. Dazu kam ein stetig steifer werdendes Beinchen, das der kleine Sturkopf aber einfach ignorierte und nicht davon abhielt, zu ihrem Lieblingsplatz auf dem Schreibtisch zu klettern. Woran sie jedoch schwer zu knabbern hatte, waren die wiederkehrenden Zahnfleischentzündungen. Von einer OP in dem hohen Alter hatte unsere Tierärztin abgeraten, und so blieb nur die Einnahme von Antibiotika. Das hat auch immer wieder gut gewirkt, nur leider hat das liebe Mädchen in der Zeit jedes Mal einiges an Gewicht verloren, das sie nicht wieder zulegen konnten. Die letzte Entzündung hat ihr dann leider vollends die Kräfte geraubt. Sie hat es mit eisernem Willen versucht, sich wie ein braves Kätzchen auf Klöchen gekämpft und auch noch ein letztes Mal nach draußen zum Sonnenbaden. Sie wäre gern geblieben. Aber der Akku war einfach leer.

Nun liegt sie neben ihren Vorgängern begraben unter’m Walnussbaum. Von denen sind auch manche sehr alt geworden, aber Bastet hat die Latte noch mal einiges höher gehängt. Ich hoffe, uns verbliebenen Drei bleiben auch noch viele, viele Jahre. Wir nehmen uns Bastet zum Vorbild. Was für ein tolles, langes Leben!

Bis zum nächsten Mal,

Deine Molly SAMTpfote

Mollys Kolumne April 2021

Liebe/r Leser/in,

nanu, wie ist das denn passiert? Da will man sich nur ein bisschen die Krallen schärfen und schwupps steht er zerfetzt da, der olle Kratzbaum. Hält aber auch nichts aus, das blöde Ding. Was mache ich denn jetzt? Unsere Leute müssen das nicht unbedingt erfahren. Ist nämlich nicht der erste Kratzbaum, den wir „geschafft“ haben. Vielleicht kann man ihn ja noch mal reparieren? Das kann ich aber nicht alleine, dafür brauche ich unbedingt Hilfe. Friedaaaa? Miraaaa? Eins kann ich Dir sagen, wir hatten einen riesen Spaß dabei. Aber schau selbst…

Ups, wie ist das denn passiert? Ich hab ihn kaum berührt. Ehrlich.
Frieda, ich könnte Deine Hilfe brauchen.
Am besten packt Mira auch noch mit an.
Wir müssen das alte Seil erstmal lösen.
Jetzt das neue Seil gut festziehen.
Frieda, zieh du mal von oben!
Gleich haben wir’s.
Perfekt. Wie neu.

Ich glaube, unsere Menschen haben’s gar nicht bemerkt. Das haben wir toll hinbekommen und sollte eine Weile halten. Es muss nicht immer gleich neu sein. Eine Reparatur spart Geld und schont vor allem die Umwelt. So ein Kratzbaum lässt sich nämlich im Pfötchenumdrehen ausbessern – vorausgesetzt man hat so ein geschicktes Handwerksteam wie Frieda, Mira und mich, nicht wahr?

Bis zum nächsten Mal,

Deine Molly SAMTpfote

Mollys Kolumne März 2021

ENDLICH FRÜHLING!!! Heute möchte ich gar nicht viel erzählen und mit Dir zur Abwechslung einfach ein paar Impressionen teilen. Manchmal sagen Bilder einfach mehr als tausend Worte. Viel Spaß damit,

Deine Molly SAMTpfote

Mira, Frieda und ich beim Klettern...
Mira, Frieda und ich beim Klettern…
... und beim Chillen. Wir machen eben gern alles gemeinsam.
… und beim Chillen. Wir machen eben gern alles gemeinsam.
Mira liebt frisches Katzengras.
Mira liebt frisches Katzengras.
Frieda streift aufmerksam durch den Garten.
Frieda streift aufmerksam durch den Garten.
Ich entdecke das erste Gänseblümchen des Jahres.
Ich entdecke das erste Gänseblümchen des Jahres.
Das jugendliche Treiben wird von der "ewigen" Bastet kritisch beäugt. Mit ihren stolzen 22 Lenzen hat sie dafür wenig übrig.
Das jugendliche Treiben wird von der „ewigen“ Bastet kritisch beäugt. Mit ihren stolzen 22 Lenzen hat sie dafür wenig übrig.
Im Nistkasten vorm Küchenfenster sind Blaumeisen eingezogen. Wir sind gefesselt.
Im Nistkasten vorm Küchenfenster sind Blaumeisen eingezogen. Wir sind gefesselt.

Mollys Kolumne Februar 2021

Foto: B. Uhlig

Liebe/r Leser/in,

woran denken die Leute, wenn sie die Kommandos „Sitz“, „Platz“ und „Pfötchen“ hören? Klar, an einen braven, gut erzogenen Hund. Was sie nicht auf dem Schirm haben ist, dass wir Katzen das mindestens genauso gut können. Glaubst Du nicht? Ich bin höchstpersönlich das beste Beispiel dafür.

Von uns Katzen wird normalerweise nicht mehr erwartet, wenn überhaupt, als dass wir auf unseren Namen reagieren und vielleicht noch auf ein bestimmtes Geräusch hin zur Fütterung erscheinen. Dabei steckt so viel mehr Potential in uns, dass nur gefördert werden muss.

Als ich als junges Kätzchen in mein jetziges Zuhause kam, war ich stark schwerhörig. Zum Glück hatte sich das nach einiger Zeit wieder gegeben. Mein Frauchen kam aber daher auf die Idee, mir Kommandos per Handzeichen beizubringen, damit wir uns besser verständigen können. Das klappte erstaunlich gut. Scheinbar bin ich ein Naturtalent. Jedenfalls brauchte ich keine Minute, um eines der „Kunststückchen“ zu erlernen und auch Tage später wieder abrufen zu können. Mittlerweile gehört so einiges zu meinem Repertoire. Sitz, Pfötchen geben, High Five, per Fingerzeig auf eine bestimmte Stelle springen, gern noch über ein Hindernis, apportieren oder mit meiner Nasenspitze an die Fingerspitze tippen. Alles ein Kinderspiel für mich. Besonders stolz sind wird aber auf folgenden Trick: Frauchen formt mit den Fingern eine Pistole und schießt imaginär auf mich, woraufhin ich mich theatralisch auf die Seite werfe, als wäre ich schwer getroffen. Ein riesen Spaß. Ich bin dabei immer ganz wild am Schnurren.

Also, traut Eurer Katze ruhig mehr zu. Was die Hunde können, können wir locker, vielleicht sogar besser. Denn im Gegensatz zu ihnen mache ich die ganze Aktion nur mit, wenn es Leckerchen dafür gibt. Voll schlau von mir, oder? Außerdem warte ich nicht immer erst, bis Frauchen auf mich zukommt. Ich weiß durchaus, was ich machen muss, damit sie alles stehen und liegen lässt und mit mir trainiert. Und genau das mache ich jetzt auch…

Bis zum nächsten Mal,

Deine Molly SAMTpfote

Mollys Kolumne Januar 2021

Foto: B. Uhlig

Liebe/r Leser/in,

Mira, Frieda und ich teilen das gleiche Schicksal. Wir alle wurden als kleine Kätzchen mutterseelenallein irgendwo draußen gefunden. Keine Mama, keine Geschwisterchen. Weit und breit niemand. Dass wir nun so ein schönes Leben führen können mit einem warmen Plätzchen, immer ausreichend Futter und liebevoller menschlicher Zuwendung, verdanken wir schlicht der Tatsache, dass wir rechtzeitig gefunden wurden. Und mit rechtzeitig meine ich nicht nur, bevor wir verhungert, verdurstet oder erfroren waren, oder getötet wurden, oder an schlimmen Krankheiten starben. Mit rechtzeitig meine ich auch, bevor wir zu alt wurden, um uns überhaupt noch an menschliche Gesellschaft zu gewöhnen. Leider hat nicht jedes junge Kätzchen so viel Glück wie wir drei Mädels. Zwischen einem Leben ohne Sorgen und einem Leben voller Nöte liegen manchmal nur wenige Wochen.

Unser Frauchen konnte im vergangenen Jahr bereits erfolgreich zwei Streunerkatzen in der Nähe ihrer Arbeitsstelle einfangen und kastrieren lassen. Zwei ausgewachsene Tiere, die nun an einer extra für sie eingerichteten Futterstelle weiter versorgt werden. Vor wenigen Wochen tauchte dort eine neue Samtpfote auf. Die Sichtung glückte nur deshalb, weil am Futterplatz eine Wildtierkamera eingerichtet wurde. Das sichtlich noch eher junge Tier schien recht hungrig zu sein. Während die beiden älteren Miezen ausschließlich nachts zu den Futternäpfen kamen, kontrollierte die neue die Stelle mehrmals täglich nach Essbarem.

Mit dem Wissen über die Gewohnheiten des Neuzugangs wurde eines Morgens eine Lebendfalle aktiviert und mit Futter bestückt. Direkt beim zweiten Versuch am Folgetag saß der kleine Fratz nach weniger als 30 min drin, wurde flugs ins Auto verfrachtet und zum Tierarzt gebracht. Es stellte sich heraus, dass es sich um ein junges Katerchen handelt. Aber leider auch, dass er absolut wild war und mit seinen ca. 6 Monaten schon zu alt, um noch ein Haustier aus ihm zu machen. Wirklich schade, wenn man ihm in sein süßes, kleines Gesichtchen schaut. Wäre er doch bloß ein paar Wochen früher aufgetaucht. Wer weiß, vielleicht würden Mira, Frieda und ich ihm sonst jetzt beibringen, wie man die Menschen um die kleine Kralle wickelt und wie schön es ist, gestreichelt zu werden. Leider wird er dieses Leben nie kennenlernen. Frauchen hat ihn nach einer Erholungsphase nach der OP an der Fundstelle schweren Herzens wieder in die Freiheit entlassen.

Jedes Jahr fangen die ehrenamtlichen Helfer von SAMT eine Vielzahl von Streunerkatzen ein. Immer wieder sind sehr junge Kätzchen dabei, die sich noch an den Menschen gewöhnen können, oder ausgesetzte Tiere, die dieses Leben schon kannten und heilfroh sind, wieder in Obhut genommen zu werden. Einigen ergeht es wie dem kleinen Mini-Tiger. Sie müssen ihr wildes Leben mit allen Gefahren und Nöten fortsetzen. Aber es gibt auch einen Hoffnungsschimmer, nämlich dass ihren Nachkommen, die nun nicht mehr geboren werden, dieses Schicksal erspart bleibt.

Bis zum nächsten Mal,

Deine Molly SAMTpfote

Mollys Kolumne Dezember 2020

Foto: Beate Uhlig

Liebe/r Leser/in,

da ist es wieder. Dieses Weihnachten. Die Menschen hasten los, um allerlei mehr oder weniger nützliche Dinge zu erwerben, die sie sich dann gegenseitig schenken können. Weißt Du, was meiner Meinung nach aber das schönste Geschenk von allen wäre? Zeit. Zeit, die man seinen Liebsten schenkt. Die könnte man beispielsweise nutzen, um den anderen hinter einer Spielangel hinterherjagen zu lassen, ihn ausgiebig unterm Köpfchen zu kraulen oder das ein oder andere Leckerchen zukommen zu lassen. Meine Meinung. Aber mich fragt ja leider keiner.

In diesem Jahr sieht es nun doch ganz gut aus. Es finden wohl keine Weihnachtsfeiern statt, zu denen unsere Menschen gehen können und uns dann den ganzen Abend allein lassen. Dieses Jahr habe ich sie ganz für mich. Herrlich. Na gut, Mira, Frieda und Bastet sollen auch ihre Aufmerksamkeit bekommen. Da will ich mal nicht so sein.

Beim Fernsehen mit Frauchen habe ich gehört, dass an Silvester nicht so viel geböllert werden darf, wie in den anderen Jahren. Für mich eine sehr gute Nachricht. Der Lärm macht mir und meinen Mädels immer große Angst. Den Wildtieren draußen geht es bestimmt auch nicht gut damit. Wie wäre es, auf den ganzen Schall und Rauch zu verzichten und den Jahreswechsel mal ganz in Ruhe zu begehen? Mit uns Fellnasen selbstverständlich.

Und das Geld wäre doch in ein paar Leckerchen auf jeden Fall besser angelegt, oder meinst Du nicht?

Bis zum nächsten Mal,

Deine Molly SAMTpfote

Mollys Kolumne November 2020

Foto: Beate Uhlig

Liebe/r Leser/in,

die Leute sind sich nicht einig darüber, ob wir Katzen nun 7 oder 9 Leben haben. Da gibt es ganz verschiedene Sichtweisen, je nach zugrundeliegender Mythologie. Ich denke, die wirkliche Zahl spielt keine große Rolle. Dass es aber deutlich mehr als ein Leben sein muss, hat einmal mehr unsere betagte Katzendame Bastet bewiesen.

Bastet ist inzwischen schon über 21 Jahre alt. Das ist wirklich zu bewundern. In diesem hohen Alter muss man jeder Zeit mit dem Schlimmsten rechnen. Aber auch am Lebensanfang haben wir Katzen es nicht immer leicht – und dazwischen schon gar nicht. Davon kann Bastet ein Lied singen.

Blicken wir einmal 21 zurück.

Da die Besitzer von Bastets Mutter nicht willens waren, diese als Freigänger kastrieren zu lassen, kam es zwangsläufig zu unerwünschtem Nachwuchs. Dieses Nachwuchses sollte sich entledigt werden, kurzer Prozess, wie es so unschön heißt. Dies bekamen zum Glück tierliebe Menschen mit und nahmen sich der Kleinen an. Weil die Besitzer die Kitten so schnell wie möglich weg haben wollten, war Eile geboten. Und so wurden sie leider deutlich zu früh von ihrer Mutter getrennt. Aber es war ihre einzige Chance auf Leben. Und die hat Bastet, wie wir wissen, großzügig genutzt. Bastet 1, Tod 0.

Viel später, da war Bastet bereits 18, ging es ihr sehr schlecht. Sie hatte wochenlang nicht richtig gefressen und mächtig abgebaut. Zum Tierarzt wollte aber keiner mit ihr. Sie ist halt alt, hieß es bloß. Das hatte zufällig unser Frauchen mitbekommen. Sie sagt immer, Alter ist keine Krankheit. Daran stirbt man nicht. Auch gegen Kostenübernahme wollten die Besitzer nicht zum Tierarzt, waren aber problemlos bereit, Bastet abzugeben. So kam sie zu uns. Es stellte sich heraus, dass sie lediglich eine starke Zahnfleischentzündung hatte. Nachdem die behandelt war, ging es mit ihr rasch wieder bergauf. Einen alten Baum verpflanzt man nicht, heißt es. Was für’n Quatsch. Sie fühlt sich sehr wohl bei uns. Ich denke, sie hatte echt Glück damit. Bastet 2, Tod 0.

Was in den Jahren dazwischen war, lässt sich nur mutmaßen. Anhand ihres ausgeprägten Charakters würde ich sagen, dass sie so einige schlechte Erfahrungen gemacht hat. Und auch die vielen Kerben in ihren Ohren sprechen davon. Aber sie hat diesen Dingen die Stirn geboten und ist ja immer noch da. Also, mal grob geschätzt, Bastet 5, Tod 0.

In letzter Zeit schwand ihr wieder merklich die Energie. Die Beinchen machten nicht mehr, was sie sollten. Und der Appetit ließ auch immer mehr zu wünschen übrig. Als sie dadurch zusehends an Gewicht verlor, wurde der Gang zu unserer Tierärztin unausweichlich.

Dort angekommen, hatte eigentlich niemand große Hoffnung, dass es mit ihr noch was geben wird. Nach einer ersten Untersuchung stand eigentlich schon beinahe fest, dass der Abschied für immer gekommen war. Frauchen wollte aber wenigstens den Grund für das nahe Ende wissen. (Der bekannte Merksatz: Alter ist keine Krankheit, daran stirbt man nicht.) Und so wurde Bastet Blut für eine weitere Untersuchung abgenommen. Eine bange halbe Stunde des Wartens verstrich und Frauchen nahm innerlich schon Abschied. Dann wurde sie zurück ins Behandlungszimmer gerufen. Alle Anwesenden schauten betroffen drein, so dass man denken konnte, da muss nicht mehr viel gesagt werden. Doch dann die Überraschung, es war „nur“ die Schilddrüse. Alle anderen Blutwerte tippi toppi. Damit hat echt keiner gerechnet.

Bastet nimmt jetzt jeden Tag mehr oder weniger freiwillig ihr Medikament ein. Sie ist seitdem wieder besser drauf, frisst vernünftig und hat schon wieder deutlich mehr auf den Rippen. So ist sie dem Tod einmal mehr vom Schippchen gesprungen. Es müsste so ungefähr 6:0 stehen.

Was lernen wir aus diesen 21 Jahren? Niemals den Kopf in den Sand stecken und auch älteren Tieren immer eine Chance geben. Denn jeder Tag und jedes Leben zählt. Und von letzterem haben wir Katzen zum Glück ja reichlich.

Bis zum nächsten Mal,

Deine Molly SAMTpfote

Mollys Kolumne Oktober 2020

Liebe/r Leser/in,

eine große Leidenschaft von – ich möchte mal sagen – ALLEN Katzen, sind Kartons. Sobald irgendwo einer rumsteht, werden wir magisch angezogen, hüpfen hinein und nehmen ihn besetzt. Dabei gilt die Regel, je kleiner, desto besser. Es scheint physikalisch unmöglich, aber jede Katze passt locker in einen Karton, der nur halb so viel Volumen aufweist, wie sie selber.

Molly im Karton

Eine andere Sache, an der sich wirklich jede von uns endlos erfreuen kann, sind verschlossene Türen. Wir sitzen so lange davor und jammern, bis unsere treuen Besitzer kommen und uns öffnen. Selbst wenn in der Tür eine Katzenklappe eingebaut ist, versteht sich. Je nach Lust und Laune gibt es nun zwei Möglichkeiten. Entweder drehen wir um, nur um 5 min später zurückzukehren und das gleiche Programm noch einmal durchzuziehen. Oder wir gehen nach laaaangem Zögern und einem genervten „Was ist jetzt? Rein oder raus?“ gemächlich hinaus, nur um augenblicklich zur Tür zurückzukehren und das gleiche Spiel noch mal von der anderen Seite zu starten. So oder so, beides verspricht großes Entertainment. Ziel der Übung ist zu testen, wie oft sie das mitmachen. Mein Rekord liegt bei 7. Recht einfach zu dressieren diese Menschen.

Fritzi auf Vorleger

Zum ganz normalen Wahnsinn kommen dann noch die speziellen Spleens hinzu, die so individuell sind, wie die Charaktere von uns Katzen. Nehmen wir Frieda. Sie ist eine Samtpfote, die nicht so wirklich gern gestreichelt wird – es sei denn, sie befindet sich auf dem Vorleger im Badezimmer. Dort, und nur dort, lässt sie sich so richtig durchwuscheln und kennt kein Ende. Auch beim Fressen ist sie recht speziell. Sie frisst immer, und mit immer meine ich auch wirklich immer, ihren Napf von links nach rechts leer. Immer. Von links nach rechts. Und das sind nur zwei ihrer zahlreichen Verrücktheiten.

Mira und Frieda räumen die Sockenschublade aus

Mira ist da deutlich entspannter. Ihr einziger Fimmel ist es, die Sockenschubladen unserer Menschen zu öffnen und Knäuel für Knäuel genüsslich herauszuangeln. Dieses Hobby betreibt sie dafür zur „Freude“ unserer Menschen mit ausdauerndem Eifer und großer Leidenschaft.

Auch ehemalige Katzen aus unserer Gruppe hatten lustige Eigenheiten auf Lager, z.B. das Trinken aus dem Wasserhahn, problemloses Öffnen von Türen inklusive Backofentür oder das morgendliche Augenlider-Auflecken (Denn offene Augen bedeuten ja, es gibt gleich Futter.)

Molly versteckt Spielzeug im Automaten

Und ich? Ich tausche Dinge gegen Leckerchen ein. Und das nicht nur, wenn Frauchen mit mir spielen möchte. Ich bringe ständig Spielzeug und ähnliches an, lege es ihr vor die Füße und bekomme dafür eine köstliche Belohnung. Das klappt wirklich immer und locker ein Dutzend Mal hintereinander. Wenn ich nichts mehr zum Sammeln finde, lege ich Frauchen auch schon mal rein und hebe einfach kurz an, was eh schon hinter ihr liegt, werfe es lautstark wieder auf den Boden und tue so, als hätte ich es gerade mühsam herangetragen. Ganz schön clever von mir, was? Als Variation verstecke ich Spielzeug auch schon mal gern in meinem Futternapf. Da kommt außer mir nämlich keiner dran. Oder ich trage es zusammen und horte es in – na, wo? – klar, in einem Karton.

Spielzeug im Karton

Bis zum nächsten Mal,
Deine Molly SAMTpfote

 

Fotos: Beate Uhlig

Mollys Kolumne September 2020

Liebe/r Leser/in,

ich möchte heute meine Geschichte vom vergangenen Monat zu Ende erzählen. Erinnere Dich, mein Frauchen wollte ein kleines weiß-schwarzes Kätzchen, das in der Nähe ihrer Arbeitsstelle ausgesetzt oder wild geboren wurde, einfangen. Es tauchte immer mal wieder auf, ließ aber niemanden allzu nah an sich ran. Eine Futterstelle wurde zum Anlocken eingerichtet und mit einer Fotofalle versehen. Gleich in der ersten Nacht wurde ein hungriges Mäulchen ertappt, nur es war nicht die kleine, flauschige Maus.

Kater an Futterstelle

Sehr spät am Abend fand sich ein dicker Brummer von Katze, vermutlich ein Kater, an der Futterstelle ein und leerte genüsslich den Napf. Das war schon eine Überraschung, denn das Tier hatte bis jetzt noch niemand gesichtet. Wozu so eine Fotofalle doch gut ist. Die Extra-Portion Futter hätte er nicht unbedingt nötig gehabt, aber man nimmt ja was kommt.

Für eine Lebendfalle war es noch zu kalt, der Kater hätte die ganze Nacht darin ausharren müssen, bis mein Frauchen morgens zur Arbeit kommt. Also wurde erstmal weiter gefüttert und fotografiert. Es war schon wirklich interessant, wer sich da alles außer unserem Moppelchen auf diesen paar Quadratmetern Wald tummelte: verschiedene Vögel, Mäuse, Igel, ab und zu kam mal ein Reh vorbei und auch ein Fuchs ließ sich gelegentlich ablichten. Und es gab noch eine große Überraschung. Nur kurze Zeit später tauchte eine weitere Katze auf, schwarz-weiß, und wieder nicht unser Jungkätzchen. Über die Wochen blieb es bei den zweien. Die Neue hatte auch schnell raus, wann der getigerte Kater immer auftauchte, und kam dann einfach etwas früher, damit der Napf noch schön gefüllt war. Nicht selten schaute „Tiger“, wie er inzwischen getauft wurde, dadurch in die Röhre.

Reh

Nun hätte es eigentlich ans Einfangen gehen können, aber leider kam Corona dazwischen. Mein Frauchen kam nur noch unregelmäßig zu ihrer Arbeitsstelle und hätte die Falle nicht täglich überprüfen können. So verzögerte sich alles um ein paar Monate, aber es wurde weiter gefüttert und die Gewohnheiten der beiden Miezen sowie der übrigen Waldbewohner mit großem Interesse studiert.

Fuchs

Dann ging es endlich los. SAMT stellte eine Lebendfalle zur Verfügung, die an der Futterstelle zum Einsatz kam. Bereits in der zweiten Nacht hatte Frauchen Glück. Als sie am Morgen nach der Falle sah, hockte das schwarz-weiße Kätzchen darin und fauchte sie an. Direkt ging es mit ihr zum Tierarzt. Es stellte sich heraus, dass es tatsächlich ein Mädchen ist, ca. 1 Jahr alt, aber nicht trächtig. Es gab wie vermutet keinerlei Kennzeichnung und kastriert war sie auch nicht. Das wurde direkt nachgeholt. Ansonsten war sie zum Glück gesund. Eine hübsche, zauberhafte Maus. Mein Frauchen hätte ihr gern ein Zuhause geschenkt, sie war jedoch kein bisschen zahm. Ihr blieb nichts weiter übrig, als sie nach einem Tag Erholung von der Operation wieder am Fundort zu entlassen. Wenigstens einen Namen sollte sie bekommen. Wir nannten sie „Katja“.

Katze in Lebendfalle

„Tiger“ dagegen zierte sich noch eine ganze Weile, aber auch er saß eines Morgens in der Falle. Schwups wurde er zum Tierarzt verfrachtet. Ebenfalls hier: keine Kennzeichnung und unkastriert. Zudem war seine Haut extrem von Zecken befallen. Er wurde entsprechend behandelt und zurückgebracht. Denn während man „Katja“ als nicht zahm beschreiben konnte, ließ „Tiger“ alle wissen, was verwildert wirklich bedeutet. Leider also auch hier keine Chance auf ein Zuhause. Aber der große Erfolg der Aktion ist, das beide Katzen, die sich bekanntlich ein Territorium teilen, nun nicht mehr fortpflanzen können und dem vermeintlichen Nachwuchs dieses Leben, das sie führen müssen, ersparen.

Nach dem großen Schock war von den beiden an der Futterstelle erstmal wochenlang nichts zu sehen. Mein Frauchen sorgte sich schon, ob die beiden alles gut überstanden hatten. Dann lief ihr auf dem Nachhauseweg auf einmal „Katja“ über den Weg. Sie sah gesund aus, ließ sich ansprechen und eine Weile beobachten, bevor sie sich in den Wald zurückzog. Was für eine Freude.

Wenn es jetzt kühler wird, wird mein Frauchen die Futterstelle samt Kamera wieder einrichten, und dann taucht bestimmt auch „Tiger“ irgendwann auf. Vielleicht lässt sich noch das kleine weiß-schwarze Kätzchen blicken, um das es ursprünglich gegangen war, das aber leider schon lange nicht mehr gesichtet wurde. Dieses Schicksal ist noch ungeklärt.

Bis zum nächsten Mal,
Deine Molly SAMTpfote

 

Fotos: Beate Uhlig