Mollys Kolumne

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Liebe/r Leser/in,

Frage: Hast Du Deine Katze schon mal beim Beobachten beobachtet? Sollte die Antwort lauten: „Ich habe gar keine Katze.“ Dann, mein Beileid. Ansonsten möchte ich eindringlich dazu raten, das hin und wieder in Deinen Alltag einzubauen. Du kannst dabei so viel über den Charakter Deiner Katze lernen. Alle Katzen sind gleich? Mitnichten. Ich und meine beiden Mädels Mira und Frieda, wir händeln gewisse Dinge sehr, sehr unterschiedlich. Nehmen wir zum Beispiel fallendes Herbstlaub. Klingt öde? Denkst Du vielleicht. Jede von uns erlebt dabei ihr ganz persönliches Abenteuer. Weiterlesen…

Mira = Typ 1 = furchtloser Kämpfer

Eine Windböe, bunte Blätter lösen sich aus der Baumkrone und fallen zu Boden. Mira sieht die Blätter, kurz bevor sie auf dem Boden landen. Ohne auch nur eine Millisekunde zu zögern oder nach links und rechts zu schauen, stürzt sie sich todesmutig auf die farbigen Eindringlinge. Jedem einzelnen Blatt gibt sie es so richtig und zeigt ihm, wer hier im Garten der Boss ist. Eine bunte Wolke, in ihrer Mitte ein schwarzer Wirbelwind. Wenn sich noch ein Fünkchen Leben in dem trockenen Laub befunden haben sollte, dann nun mit Sicherheit nicht mehr. Abschätzig schaut Mira noch einmal über die Schulter, bevor sie zufrieden davonspaziert.

Frieda = Typ 2 = Naturforscher

Eine Windböe, bunte Blätter lösen sich aus der Baumkrone und fallen zu Boden. Frieda sieht sie schon von weit oben herunterkommen. Mehr noch, ein besonders interessantes Exemplar sticht ihr bereits ins Auge, bevor es den Boden berührt. Sie tritt heran und beäugt es von allen Seiten. Ausgiebig. Der Kopf dreht sich dabei hin und her, damit ihr bloß kein Aspekt dieser außergewöhnlichen Erscheinung entgeht. Dann folgt Phase Zwei, das Beschnuppern. Scheinbar zeigen sich hier keine Auffälligkeiten und sie kann direkt zu Phase Drei übergehen. Ganz vorsichtig und so behutsam, als könnte das Blatt bei der geringsten Unachtsamkeit Schaden nehmen, berührt sie es sanft mit dem Pfötchen. Dabei dreht sich das Blatt leicht und eröffnet der entzückten Frieda ganz neue Welten. Ein Hohlraum ist unter dem Objekt entstanden, und nun muss mit der optischen Untersuchung von vorn begonnen werden. Ja, in Dir kommt sicherlich auch schon eine Vermutung auf, unsere Frieda, nun, sie ist – nennen wir es – speziell. Kleine Dinge, denen niemand von uns Beachtung schenken würde, wie eine Ameise oder einfach nur ein Staubflusen, sind ihr Universum.

Ich = Molly = Typ 3 = Vorsicht-ist-die-Mutter-der-Porzellankiste

Eine Windböe, bunte Blätter lösen sich aus der Baumkrone und fallen zu Boden. Ich beobachte diesen Vorgang von drinnen, von der Fensterbank aus, den wärmenden Heizkörper unter mir. Wer mir dabei zusieht, der würde vielleicht denken, dass mir das Laubgeriesel womöglich entgangen ist. Äußerlich Pokerface. Natürlich entgeht mir nichts. Aber das muss ja nicht jeder wissen. Und diese losen, bunten Blätter da draußen, wen interessiert das eigentlich? Mich nicht. Sollen sie doch da liegen. Und jedes Mal kurz zucken, wenn wieder Wind aufkommt. Mir egal. Hab ich schon oft gesehen. Absolut unspannend. Ist ja jedes Jahr im Herbst doch wieder dasselbe. Damit verschwende ich nicht meine Zeit. Ach guck, da zucken sie wieder. Mir egal. Jetzt wird es aber doch langsam was warm hier auf der Heizung. Ich geh mal nach draußen und kühle mich etwas ab.

Jetzt zucken die nicht nur, nun rascheln sie auch noch. Wollen mich wohl anlocken. Pah, sollen sie es mal versuchen. Interessiert mich NULL. Ui, da trägt eine Windböe sie ein Stück weiter. Was soll das denn jetzt? Dieses Laub tut wohl alles für ein bisschen Aufmerksamkeit. Da ist es schief gewickelt. Das funktioniert bei mir nicht.

Eine Sekunde später versetze ich den bunten Blättern ein paar Hiebe, eine weitere Sekunde später sitze ich wieder ganz entspannt auf der Fensterbank über der Heizung und beobachte das Treiben draußen. Oder auch nicht, wen interessiert’s? Puh, mein Herz klopft ganz schön.

Bis zum nächsten Mal,

Deine Molly SAMTpfote

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