Aktuelles aus dem Tierschutz

Katze fasst sich lustig an den Kopf
Foto: skorchanov@pixabay

Ausreden gibt es wie Sand am Meer

Von Eva Volk/SAMT e.V. Natürlich gibt es oftmals gute und nachvollziehbare Gründe, warum man einem eigenen/fremden/zukünftigen Tier zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht gerecht werden kann. Und dann gibt es Ausreden, noch und nöcher. Hier mal eine kleine Auswahl – unkommentiert – der Sprüche, die wir uns so anhören dürfen.

  • Wir haben uns einen Border Collie angeschafft, der ist ganz anders als unser alter Schäferhund war und spielt nicht mit den Enkeln, der muss wieder weg.
  • Ich muss ganz schnell die Katze abgeben, die hat mich gebissen und wenn sie nicht wegkommt, nimmt das Amt mir die Kinder weg.
  • Die Katzen, die ich abgeben will, müssen wirklich allmählich weg, das geht hier so nicht, sonst muss ich sie leider raus setzen.
  • Den Kontrolltermin beim Tierarzt möchte ich nicht wahrnehmen, das ist doch viel zu stressig für das Tier. Alles weitere legen wir in die Hände Gottes.
  • Meine unkastrierte Katze muss weg, die pinkelt hier alles voll.
  • Ich dachte, Brüderchen und Schwesterchen können miteinander keine Kätzchen machen.
  • Sie sind doch der Tierschutz, das ist doch Ihre Aufgabe! Sie müssen sich doch um sowas kümmern!
  • Freigänger? Der kann doch auch nur in der Wohnung bleiben, wenn das nicht klappt, gebe ich ihn wieder zurück.
  • Wie, Sie können die Katzen nicht aufnehmen, können Sie die nicht irgendwo lagern?
  • Sehe ich gar nicht ein, beim Tierheim Gebühren zu zahlen, wenn ich mein Tier da abgebe.
  • Meine Katze ist schon 15, wahrscheinlich lebt sie nicht mehr lange, darum hätte ich gerne jetzt schon ein neues Kätzchen.
  • Wieso 2 Kätzchen? Mein alter Kater war sein Leben lang allein und total glücklich.
  • Der läuft hier schon seit Jahren rum, sieht aber jetzt nicht gut aus und liegt nur noch schlapp in unserem Garten, da muss doch jemand was unternehmen.
  • Meine Katze ist seit drei Tagen weg, die kommt bestimmt nicht mehr, ich brauche eine neue.
  • Ich konnte nicht anhalten, ich hatte einen wichtigen Termin / den Hund dabei / das Kind dabei.

Schlucken, lächeln, Zähne zusammenbeißen, weitermachen. Tierschutz halt.

Khan – Von der Feldmaus zum Schmusekater

Bericht von einer Pflegestelle

Khan als Kitten

Von P. Loebt/SAMT e.V. Wenn man Babykatzen in Pflege nimmt, sind sie oft sehr jung, Waisenkinder und noch nicht der Muttermilch entwöhnt. Aufzuchtmilch habe ich also immer auf Vorrat. Das ist auch gut so, denn im vergangenen Sommer waren viele bedürftige Kätzchen zu versorgen gewesen.

Dann kam der Anruf, dass ein Baby aus einem 3er Wurf aufgenommen und von Hand aufgezogen werden müsste. Das Kleine war eine Woche alt, viel kleiner als seine beiden Geschwister und wog nur 78 Gramm. Das ist normalerweise noch unter Geburtsgewicht eines neugeborenen Kätzchens (100g).

Es war ungefähr so groß wie eine Feldmaus.

Khan im Größenvergleich mit einer Packung Taschentücher

Während die anderen zwei gut zulegten und bei der Mamakatze ständig ordentlich tranken, hatte sich der Winzling leider die Zitze ausgesucht, aus der nichts rauskam. Das empfand ich als etwas ungerecht, und da ich oft Namen aussuche, die der Katze eine Perspektive geben, nannte ich ihn Khan – das heißt Anführer. Wenn er (was geplant war) durch Handfütterung gut zugelegt hatte, sollte er seinen Geschwistern zeigen, wo der Hammer hängt!

Khan liebte es, an der Flasche rumzunuckeln. Er war große Trinkmengen nicht gewöhnt, weil ja seine Lieblingszitze wenig hergab. So hat er zu Anfang mal einen Milliliter getrunken, mal zwei, das Ganze alle zwei Stunden, auch nachts. Anstrengend.

Es ist eigentlich fast genau so, als wenn ein menschliches Baby einzieht: Der gesamte Tagesablauf richtet sich nach der Versorgung des Babys. Manches bleibt liegen, einiges, damit die wichtigen ersten Tage der Umstellung auf Aufzuchtmilch gelingen.

Khan bekommt eine Bauchmassage

Nach 10 Tagen ging ich auf dem Zahnfleisch. Dafür ging es Khan blendend! Er trank stetig mehr, schlief viel, nahm täglich zu und entwickelte sich prächtig. Er genoss die Bauchmassage nach dem Essen und schlief zufrieden gleich danach ein. Mit der Bauchmassage hilft man den Kleinen, Blase und Darm zu entleeren. Dabei imitiert der feuchtwarme Waschlappen die Mutterzunge.

Khan schläft im BH

Zum Wärmen steckte ich den Winzling oft in meinen BH und manchmal schlief Khan so fest, dass er gar nicht bemerkt hat, wenn er von dort in die weich ausgelegte Box mit Wärmflasche umgebettet wurde. Nachts stand die Box neben meinem Kopfkissen. Der Wecker auch, zumindest für die ersten zwei Wochen.

Mit der Zeit konnte die Fütterung auf alle 3-4 Stunden umgestellt werden, und so kam auch ich irgendwann wieder zu einer guten Nachtruhe.

Wir haben jedes Gramm Zunahme gefeiert. Khan entwickelte sich sehr gut. Nach ungefähr sechs Wochen konnte er es mit seinen Geschwistern aufnehmen, und er hat wild mit ihnen gerauft und gespielt.

Khan als kräftige Jungkatze

Heute lebt er zusammen mit einer wunderbaren Familie und einer anderen Katze als Gesellschaft. Er ist sehr verschmust und menschenbezogen.

Khan mit Katzenkumpel im neuen Zuhause

Fotos: P.Loebt, Ina B.

Haussammlung für Tiere in Not

Sparschwein
Foto: alexas_fotos@pixabay

Von SAMT e.V. Nach längerer Pause führt SAMT e.V. wieder eine Haussammlung für Tiere in Not durch. Im Zeitraum von Anfang April bis Ende Mai sammeln die Tierschützer in Jülich und den umliegenden Dörfern, sowie im Nordkreis Düren.

Die Spenden kommen Tieren zugute, die von jetzt auf gleich heimatlos werden, z.B. wegen schwerer Erkrankung des Besitzers. Diese Tiere werden von Pflegestellen aufgenommen, wo man sich liebevoll um sie kümmert, bis der geliebte Mensch wieder zu Hause ist. Im Falle des Falles wird mit aller Kraft für die Vermittlung in ein neues Zuhause im Sinne von Mensch und Tier gesorgt.

Außerdem hilft SAMT, wenn Tierbesitzer in Not geraten und die Tierarztrechnung oder Spezialfutter nicht mehr bezahlen können und vielleicht selbst Hilfe benötigen. Niemals soll ein Tier nur aus diesem Grund sein Heim verlieren und der Mensch seinen geliebten tierischen Begleiter.

Weitere Schwerpunkte von SAMT sind Futterausgaben, Kastrationsprojekte und Aufnahme ausgesetzter Tiere. Um eine tiergerechte Versorgung zu gewährleisten, entstehen natürlich beträchtliche Kosten für Verpflegung, Unterbringung, Tierarzt und Vermittlung. Daher sind auch kleinste Beträge willkommen.

Die Mitarbeiter von SAMT e.V. können sich durch Mitgliedsausweise (mit Lichtbild) ausweisen (oder über Info beim zuständigen Ordnungsamt).

Weitere Informationen zu SAMT e.V. sind zu finden unter
www.s-a-m-t.de oder telefonisch unter 02461-342209 / 0157-76810046

Die drei (Un)gezähmten

Bericht von einer Pflegestelle

Von P. Loebt/SAMT e.V. Es gibt Jungkatzen, die sofort Vertrauen zum Menschen aufbauen können – und es gibt Samtpfoten, die ganz furchtbar ängstlich sind. Können sie ihre Angst ablegen? Ja, wenn…

Momo, Jackson und Lenny kamen mit Mama Paula Mitte August auf meine Pflegestelle. Paula war sofort eine Schmusebacke und tat ihr Möglichstes, auch die drei 12 Wochen alten Söhne davon zu überzeugen, dass keine Gefahr droht. So kam mir Paula stets entgegen, wenn ich ins Zimmer kam, streifte um die Beine und gab Köpfchen. Ganz anders ihre Sprösslinge: Sobald die Tür aufging, waren sie verschwunden!

Da das Bettsofa für solche Fälle unten herum zugebaut ist, blieben immer nur die drei Obstkörbe als Versteck, die in größerer Höhe an der Wand montiert als Höhle dienen. Da saßen die drei tapferen Hasis nun und immer wenn ich mich bewegte, wurde gebrummt, gefaucht und auch gespuckt. Je näher ich ihnen kam, desto ängstlicher wurden sie.

Ich habe zu Anfang sehr viel mit ihnen geredet, teilweise auch aus einem Buch vorgelesen, damit sie sich an mich und meine Stimme gewöhnen. Das ging einige Tage lang so, ohne dass sich die Reaktion der drei Katerchen irgendwie änderte. Lediglich wenn es 3-4mal am Tag das geliebte Nassfutter gab, ließ der Hunger sich nicht unterdrücken und ich konnte sie näher betrachten – aus sicherer Entfernung natürlich.

Momo, Jackson und Lenny konnten sich immer noch überhaupt nicht vorstellen, dass ich nichts Böses vorhatte. Nur beim regelmäßigen Spiel mit der Angel tauten alle auf, denn Neugier siegt über die Angst! Sobald ich versuchte, zu nahe zu kommen und zu berühren, war der Schalter aber wieder umgelegt. Es brauchte vier Wochen, bis sie mich nicht mehr anfauchten, wenn ich Futter brachte.

Dann fiel mir das mit dem gekochten Hühnchen ein. Kleine Fitzelchen gekochter Hähnchenbrust in die Schale gepackt und zu meinen Jungs marschiert. Sie haben es sofort gerochen. Die zahme Paula zeigte dann, dass man auch aus der Hand Futter annehmen kann. Und dass man sehr schnell sein muss, um überhaupt noch was abzukriegen. Neugierig (und hungrig) wie Jungkatzen nun mal sind, kamen alle herbeigelaufen und siehe da: alle trauten sich ran und nahmen aus der Hand. Liebe geht durch den Magen.

So wurde in den kommenden Wochen etliche Hühnchenbrust genossen, und ab und zu konnte ich die Katerchen auch berühren, einen von ihnen dann auch vorsichtig, wie zufällig streicheln. Das war Lenny, der Wegputzer. Er war so sehr auf Futter fixiert, dass er selbst Streicheln dafür in Kauf nahm.

So nach und nach (es waren mittlerweile 2 Monate vergangen) trauten sich die drei Jungs immer mehr, auf mich zuzugehen. Ich wurde auch etwas mutiger und habe ihnen nicht nur Ruhe und Stille zugetraut. Manchmal habe ich lauter gesprochen, Musik angemacht und mich auch mal schnell bewegt oder getanzt.

Nach vier Monaten war bei Momo, Jackson und Lenny endlich das Eis vollständig geschmolzen. Sie wollten von sich aus gestreichelt werden. Trotz dass die Jungs mir gegenüber aufgeschlossen und zutraulich wurden, war ängstliches Verhalten Fremden gegenüber noch sehr stark vorhanden.

Irgendwann kamen dann endlich die Richtigen. Sie gaben meinen Jungs alles, was sie brauchten: Geduld, Zeit und ganz viel Liebe.

Fotos: P. Loebt

Aktuelles aus der Tierschutzarbeit

Cilla
Foto: Eva Volk

Nimm das, FIP!!!

Von Eva Volk/SAMT e.V. Es ist mir eine außergewöhnliche Freude, berichten zu dürfen: Cilla hat FIP besiegt und ist offiziell geheilt!

Der nette Kater Cilla erkrankte mit 2 Jahren an FIP, der felinen infektiösen Peritonitis. Ein Todesurteil… NEIN! Nicht mehr! Seit einiger Zeit ist Heilung möglich, was sich zum Glück immer mehr herumspricht. Und so begann der Kampf um Cillas Leben. Der Kampf war hart, denn es ging Cilla sehr schlecht. Er war nur noch Haut und Knochen, wog nur noch knapp 3 kg und fraß nicht. Er war am Ende. Eine Frage von Tagen.

Was braucht man, um ein Katzenleben zu retten?

  • Eine Besitzerin, die bereit ist, sich auf die langwierige Behandlung einzulassen. DANKE für das Vertrauen!
  • Eine liebe Nachbarin, die bereit ist, den Kater für volle 3 Monate bei sich aufzunehmen, da die Umstände zu Hause es dort leider nicht zuließen. DANKE für diese unglaubliche Hilfe!
  • Eine weitere liebe Nachbarin, die bereit war, 12 Wochen lang jeden Abend den Kater zu behandeln. DANKE für – ach, für einfach alles!
  • Eine ganz liebe Dame, die mehrmals wöchentlich die Behandlung unterstützt. DANKE für soviel Hilfsbereitschaft!
  • Eine Tierarztpraxis, die mit Blutbildern und Ultraschall die Verlaufskontrolle ermöglicht. DANKE für die tolle Begleitung!
  • Und natürlich einen Kater, der, wenn auch widerwillig, das alles über sich ergehen lässt. DANKE, lieber Cilla, dass Du uns nicht alle gefressen hast und so unglaublich tapfer warst!
  • Kurz gesagt: Um ein Leben zu retten, braucht man ein TEAM!

Und das Team hat Cilla gerettet! Mit stattlichen 5,3 kg und fit wie ein Turnschuh ist Cilla nach drei Monaten Therapie und drei Monaten Beobachtungsphase jetzt offiziell von FIP geheilt!

Hab ein wunderschönes, langes Leben, Cilla! Du hast es Dir verdient.

FIP ist heilbar!

Aktuelles aus der Tierschutzarbeit

Katze May
Foto: Eva Volk

Überraschung – Ein Tier kann manchmal Arbeit machen

Von Eva Volk/SAMT e.V. Ob Tierschutz frustrierend ist? Keine Frage. Mal abgesehen von vielen Dingen, die einen den Glauben an die Menschheit verlieren lassen, sind es die vermeintlichen Kleinigkeiten, die fassungslos machen.

Nehmen wir zum Beispiel May, eine 2,5 Jahre alte Katze. Sie fand vor rund zwei Jahren zusammen mit ihrer Schwester ein Zuhause bei einem netten jungen Paar. So weit so gut. Wie das Leben so spielt, ging die Beziehung in die Brüche. Da die Schwestern sich mittlerweile nicht mehr so gut verstanden, zog jeweils eine Katze zu einem Teil des Paars. Ja, nun, so kann es gehen.

Während die Schwester sich im neuen Heim gut einlebte, war May not amused. Ihr neues Zuhause lag nur wenige hundert Meter vom alten entfernt und dorthin wollte May auf Teufel komm raus zurück. Trotz geduldiger wochenlanger Bemühungen wollte sie sich nicht im neuen Heim eingewöhnen, rebellierte mit allem, was sie hatte und kampierte stattdessen lieber auf der Terrasse ihres alten vertrauten Hauses. Bei sowas können Katzen echt bockig sein. Die neuen Mieter waren ziemlich irritiert.

Wir wollten May schon wieder aufnehmen, um neue Menschen für sie zu finden, da kam die Wendung. Mit ihrem herzallerliebsten Charme hatte die nette Maus die Herzen der neuen Mieter erweicht. Und so meldeten sie sich bei uns. Obwohl völlig ohne bisherigen Kontakt zu Katzen, konnten sie sich vorstellen, May ein Zuhause zu geben. In einem seeehr langen Telefonat schilderte man uns, wieso, weshalb, warum und dass Tierschutz ja sooo wichtig ist. Ein Besuch vor Ort wurde vereinbart um zu klären, ob die grundsätzliche Eignung als Katzeneltern gegeben war.

Der Eindruck bei diesem Besuch war durchweg positiv, erste Maßnahmen, wie eine aufwendige Schutzhütte im Außenbereich waren bereits getroffen worden. Viele richtige Fragen wurden von den potentiellen Neubesitzern gestellt und ausführlich beantwortet. Man betonte mehrfach, was man schon alles getan hatte, um Tieren zu helfen und erklärte, dies auch zukünftig weiter intensivieren zu wollen. Zuguterletzt wurde vereinbart, eine Weile zu beobachten, ob May wirklich dauerhaft einziehen will, wovon man ganz fest ausging, und dann zu gegebener Zeit das Ganze vertraglich zu fixieren. Im Prinzip hatten wir an diesem Punkt das Thema gedanklich quasi abgehakt, alles schien gut.

Ja, denkste. Einige Zeit später meldete sich – völlig fassungslos – der Nochbesitzer.

Was war passiert? Eigentlich nichts Ungewöhnliches. May war eines Abends nach Hause gekommen und etwas Blut tropfte aus ihrem Mäulchen. Wurde sie von den neuen Leuten direkt eingepackt und zum Tierarzt gebracht? Nein, stattdessen wurde der Nochbesitzer informiert, der selbstverständlich sofort die Katze einer medizinischen Versorgung – übrigens auf seine Kosten – zuführte. Es stellte sich heraus, dass May offenbar Streit mit einem anderen Tier hatte und dabei unglücklicherweise ein kleines Stück ihrer Zunge eingebüßt hatte. Uff. Nicht schön, aber in den Griff zu bekommen. Entsprechende Medikamente wurden verabreicht und für die nächsten Tage mitgegeben und natürlich ein Kontrolltermin zwei Tage später vereinbart.

So, wir haben also eine verletzte Katze, die zwei Tage lang Medikamente zu bekommen hatte und zu beobachten war. Nicht so schwierig. Möglicherweise sollten noch ein paar Tage länger Medikamente gegeben werden. Den erwähnten Kontrolltermin sollte dann – schon wieder – der Nochbesitzer wahrnehmen. Hmm, seltsam.    

Als der junge Mann, der nach wie vor alles tat, damit seine geliebte Katze gut versorgt war, kam, um May für den erneuten Tierarztbesuch abzuholen, traf ihn fast der Schlag. Ihm wurde mitgeteilt, dass das jetzt alles zuviel würde und May nicht mehr zurückkommen müsse.

Im Ernst? Das ist zuviel? Aber sich angeblich im Tierschutz engagieren? Was ist aus dem ganzen Getöne geworden? Nix als heiße Luft. Manche hören sich halt gerne reden. Dass ein lebendes Wesen nicht einfach nur vor sich hin funktioniert, ist anscheinend nicht tragbar.

Da kann man nur sagen, ein Glück, dass sich frühzeitig herausstellte, was Sache ist. Später hätte man womöglich überhaupt nichts mitbekommen.

Auf der Pflegestelle darf die nette Samtpfote nun erstmal wieder fit werden. Wir werden jetzt in Ruhe das perfekte neue Zuhause für May suchen, denn zum Glück sind nicht alle Menschen so ignorant. Aber desillusioniert ist man am Ende dann doch wieder mal.

Aktuelles aus der Tierschutzarbeit

Fotos: SAMT e.V.

SAMT – Same procedure as last year

Von Eva Volk/SAMT e.V. Nun ist das zweite Coronajahr zu Ende gegangen. Wer hätte gedacht, dass unser aller Leben so lange völlig anders sein würde, als wir es bisher kannten?

Was bedeutet das denn überhaupt für die Tierschutzarbeit?

Nun, zunächst einmal: Im Prinzip hat sich nichts geändert. Tiere (und ihre Halter) geraten nach wie vor in Not und benötigen Unterstützung. Es gibt immer noch unzählige verwilderte Katzen, die kastriert werden müssen, um der Flut an Kätzchen Herr zu werden. Es gibt nach wie vor mehr als genug Tiere, die draußen gefunden werden, wo sie sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht ganz freiwillig alleine durchschlagen müssen. Es gibt immer noch zahlreiche Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen dringend Hilfe bei der allgemeinen, aber auch medizinischen Versorgung ihrer Tiere benötigen. Und natürlich ist SAMT für sie alle zur Stelle, wenn auch unter erschwerten Bedingungen.

Was hat sich geändert? Im ersten Halbjahr 2021 waren wir noch verwundert, dass erstaunlich wenige Fundkatzen und -kätzchen gemeldet wurden. Wir gehen davon aus, dass in diesem Zeitraum noch alles, was Beine hatte, direkt behalten oder selbst weiterverkauft wurde. Zudem war die Nachfrage nach Katzen sehr stark, wobei da schon einiges an höchst zweifelhaften Anfragen zusammenkam. Im zweiten Halbjahr, mit sinkenden Inzidenzen, wendete sich das Blatt. Die Anfragen gingen in den Keller und parallel stieg die Anzahl der Fundmeldungen rasant an. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Für uns macht das alles keinen Unterschied. Wir kümmern uns mit aller Kraft um alle Tiere in Not. Wir geben uns genauso viel Mühe wie schon immer, ein gutes Zuhause für jedes einzelne Tier zu finden. Wir vermitteln nicht mit der Brechstange und nicht an den Erstbesten. Es ist immer eine Freude zu sehen, dass doch so viele tolle Menschen unseren Schützlingen ein Forever-Home geben möchten. Und es ist uns wirklich eine Genugtuung, dass kein einziges Tier als „Coronarückläufer“ wieder abgegeben wurde. Genauso ist es unglaublich, wie toll wir nach wie vor von so vielen lieben Tierfreunden tatkräftig und finanziell unterstützt werden.

Wir sagen ganz herzlich DANKE!!!! an alle lieben Tierfreunde, Unterstützer, Pflegestellen, Mitglieder, Adoptanten und Tierärzte. Ihr macht den Unterschied!

Wir blicken hoffnungsvoll auf 2022, zusammen werden wir das weiterhin rocken!

MARY oder Frohe Weihnachten

Bericht von einer Pflegestelle

Von P. Loebt/SAMT e.V. Was macht ein kleines Babykätzchen Mitte Dezember bei klirrender Kälte allein im Gebüsch unter einer Brücke? Das dachte sich garantiert auch der hilfreiche Finder, dessen Hund angeschlagen hatte, als er das Kätzchen witterte auf dem Spaziergang am Nachmittag.

Eiskalt, frierend und krank wurde es zum Glück gerade noch rechtzeitig gefunden und zu Samt gebracht. Von dort aus wurde das kleine Mädchen gleich zum Tierarzt gebracht. Ihr linkes Auge war völlig eingetrocknet, stand ballonartig aus dem Kopf heraus, das rechte Auge war voller Eiter. Sie hatte Katzenschnupfen der besonders ausgeprägten Art und es ging ihr gar nicht gut. Medikamente für die Augen wurden mir mitgegeben, und sie sollten alle zwei Stunden verabreicht werden.

Zuhause habe ich die Kleine gewärmt, bis sie durch und durch aufgetaut war. Haut an Haut geht das am besten. Sie gab keinen Mucks von sich. Als die Kleine warm war, konnte ich versuchen, ihr Aufzuchtmilch anzubieten. Wenn Kitten unterkühlt sind, darf man sie nicht füttern, weil der Schluckreflex aussetzt, sie sich dann verschlucken und so eine Lungenentzündung entstehen kann.

Die Kleine wollte nur ganz wenig Milch und sie schlief viel. Ich versuchte mehrfach pro Stunde, ihr etwas zu trinken zu geben – mit mäßigem Erfolg. Wir nannten sie Mary. Meine Tochter meinte: Sie ist vor Weihnachten gekommen, also Merry Christmas.

Am frühen Abend habe ich ihre Temperatur überprüft. Sie hatte 39.6 Fieber! Ich konnte zum Glück in der Tierarztpraxis noch einmal vorstellig werden mit Mary, wo sie mit Antibiotikum versorgt wurde.

Das Ballonauge sah gar nicht gut aus. Das Auge bekam eine trockene und verhornte Oberfläche, trotz Augengel zur Befeuchtung und trotz antibiotischer Augensalbe. Ich hoffte für Mary, dass es besser wird, aber so eine starke Infektion am Auge führt in der Regel zum Verlust des Auges.

Sie trank etwas besser und fast schon dachte ich, dass es aufwärts geht, da bekam sie erneut Fieber. Der Tierarzt spritzte Mary erneut ein Antibiotikum, damit die Infektion und damit das Fieber bekämpft werden konnte.

Nach dem Milch trinken putzte sich Mary ausgiebig. Dabei putze sie auch ihr Gesicht und es löste sich die Kruste vom Ballonauge, es blutete. Marys linkes Auge war ausgelaufen. Es war für immer zerstört.

Mary nahm es erstaunlich gelassen! Sie war auf dem Weg der Besserung und trank ihre Milch zügig und gierig. Wir konzentrierten uns darauf, das verbliebene rechte Auge zu erhalten, damit sie wenigstens hier Sehkraft hatte. Das rechte Auge wurde schon seit Beginn mitbehandelt, da es eitriges Sekret absonderte.

Marys und mein Tag bestand aus alle 2 Stunden Augen säubern, Augen versorgen, Milch trinken, schmusen, spielen, schlafen. Das kaputte linke Auge wurde gesäubert und versorgt, das sehende rechte Auge ebenfalls.

So gingen die Tage und Wochen ins Land. Sehr oft war Mary beim Tierarzt, weil das rechte Auge überprüft werden musste und sich trotz aller Fürsorge öfter entzündete. Mary nahm es wiederum gelassen. Autofahren mit Mary und Tierarztbesuch waren nie ein Problem. Ein Traumkätzchen. Selbst als das kaputte Auge rausoperiert werden musste und das sehende Auge eine heftige Herpesinfektion bekam, war Mary ein gelassenes Kätzchen, was alle Maßnahmen ohne Mucks erduldete. Sie hat stets ihren Charme (und ihren Appetit) behalten.

Lange war Mary ohne gleichaltrigen Spielgefährten.  Ein Kumpel ist das allerbeste für jedes Kätzchen und jede Katze. Allein plagt einen oft die Langeweile, man kann nicht so spielen, wie es gut wäre in dem Alter, weil einfach das passende Gegenüber fehlt. Und auch wenn Frauchen tolle Spielzeuge anschleppt, so fühlt man sich doch irgendwie nicht ausgelastet. Die Hand von Frauchen kann man schließlich auch nicht jeden Tag zerkratzen.

So hat Mary versucht ihre Langeweile zu bekämpfen: Viel geschlafen und viel gefressen. Dann hatte Irene, unsere Vorsitzende, eine Idee. Ein hübscher roter Jungkater auf einer anderen Pflegestelle könnte ein passender Spielkamerad sein: Tommy. Da Tommy kerngesund war und das auch bleiben sollte, war klar: Er muss gegen Katzenschnupfen geimpft werden. Nach der Erstimpfung muss die Zweitimpfung vier Wochen später erfolgen.  Das hieß für Mary: Warten auf den Traumprinzen.

Endlich war der große Tag des Kennenlernens gekommen. Tommy kam, sah und….versteckte sich. Mary legte sich beruhigend vor das Versteck, aber Tommy mochte nicht rauskommen. Der kleine Mann kannte bis dato nur seine Pflegemama, eine ältere Katze und sonst niemanden, schon gar keine Hunde.

So isolierte ich ihn zunächst für eine Nacht im Büro und verbrachte viel Zeit mit ihm, damit er mich kennenlernen und ankommen konnte. Mary besuchte Tommy am nächsten Morgen, und unter meiner Aufsicht begannen sie zu spielen, dass mir das Herz aufging. Ein wenig forsch und dominant war Tommy zu Anfang, er war ein recht agiler kleiner Mann. Marys Naturell war eher beobachtend und ruhig. Aber wir wollten den beiden eine Chance geben.

Ich konnte sehen, dass die zwei sich sehr mochten. Tommy suchte ihre Nähe, wenn er vor etwas Angst hatte und Mary genoss es, wenn sie mit Tommy toben und spielen konnte. War Mary in einem anderen Zimmer, jammerte Tommy rum, bis er sie gefunden hatte.

Lange, sehr lange haben die beiden gewartet, aber dann fand sich endlich, nach über einem halben Jahr, ein neues Zuhause. Die beiden wurden mit offenen Armen empfangen und es geht ihnen so gut wie noch nie. Es ist ein wirklich schöner Platz, an dem sie geliebt und umsorgt werden, so wie sie es verdient haben.

Ein richtiges Happy End.

Fotos: P. Loebt, Susi W.

Pflegestellen ABC

Unser Verein wäre ohne die ehrenamtliche Arbeit unserer Pflegestellen nicht denkbar. Sie nehmen Tiere in Not auf und versorgen sie bis zur Vermittlung in ein neues Zuhause. Wie vielen Tieren wir helfen können, hängt davon ab, wie viele Pflegeplätze zur Verfügung stehen. Vielleicht können wir bei dem ein oder anderen Interesse für diese erfüllende Aufgabe wecken.

Von P. Loebt/SAMT e.V.

Was brauche ich, wenn ich helfen will?

Eigentlich ist es recht wenig: Zeit, ein separates Zimmer und der Wunsch, Tieren in Not zu helfen.

Wie läuft es ab?

Ich melde mich beim Verein SAMT e.V. Jülich (Irene Launer-Hill 02461-342209). Dort wird mir ganz genau erklärt, was ich für die Zeit, in der mein Schützling mir anvertraut wird, benötige.

Ein Platz zum Ankommen

Oft sind aufzunehmende Tiere sehr gestresst, sei es durch

  • Verlust der Bezugsperson (Abgabe, familiäre Trennung, Umzug, Tod)
  • fehlende regelmäßige Fütterung und Zuwendung (z.B. bei Streunern)
  • Verlust der Mutter (bei Kitten)

Ich stelle ein separates Zimmer zur Verfügung, in dem der neue Gast erst mal zur Ruhe kommt und regelmäßig Versorgung erhält. Das meint hochwertiges Nassfutter, immer frisches Wasser, Streicheleinheiten.

Nassfutter stelle ich selbst, es gibt aber auch regelmäßig „Futtergeschenke“ vom Verein. Wenn Spezialfutter benötigt wird, stellt und besorgt das der Verein. Ausstattung wie Katzentoilette, Kuschelbett und Kratzbaum wird vom Verein zur Verfügung gestellt. Falls ich es selbst besorgen möchte, ist das auch in Ordnung.

Ist der neue tierische Gast erstmal angekommen und fühlt sich wohl, gibt es neben der körperlichen Versorgung natürlich auch noch viel Schönes mit ihm zu erleben, sei es Spieleinheiten mit Angel und Bällchen, „Gespräche“, teilweise in Form von Vorlesen (an meine Stimme gewöhnen) oder Schmusestunden.

Die Separierung des Tieres hat auch den Zweck, eventuelle Krankheiten und/oder Parasiten zu erkennen und zu behandeln. In keinem Fall darf vor Ablauf der Frist von 2 Wochen ein Pflegegast mit den eigenen Haustieren vergesellschaftet werden. Zuerst muss man herausfinden, was das neue Tier so alles mitbringt (angefangen bei Flöhen und Zecken bis hin zu ansteckenden Erkrankungen wie zum Beispiel Katzenschnupfen). Manche Krankheiten erkennt man auf den ersten Blick, andere zeigen sich erst später, wenn das Tier richtig angekommen ist und sich entspannt.

Tierärztliche Versorgung

Die medizinische Versorgung des Tieres ist durch den Verein sichergestellt. Bei Bedarf wird jedes Tier dem Tierarzt vorgestellt, auch mehrfach und über einen längeren Zeitraum, wenn nötig. Von Vorteil ist es, wenn ich als Pflegestelle beim Tierarztbesuch dabei bin, weil ich die Bezugsperson bin. Ein eigenes Auto ist nicht zwingend erforderlich, kann aber helfen, im Notfall schnell vor Ort zu sein.

Betreuung und Ratschläge

Das Netzwerk und die Ratschläge innerhalb des Vereins schätze ich sehr. Es gibt für mich immer einen Ansprechpartner, egal welches Problem sich auftut. Entscheidend ist, dass ich das Tier nicht nur versorge, sondern auch sehr gut beobachte und im Blick habe, um Auffälligkeiten sofort zu bemerken.

Alle Fragen werden sehr zeitnah beantwortet. Fragen wie:

  • Was mache ich bei Durchfall oder Verstopfung?
  • Wie genau verabreiche ich die Wurmkur?
  • Wie gehe ich vor, wenn die Katze vor Angst die Wände hochgeht?
  • Wie bringe ich Augensalbe ins Auge ein?
  • Was gebe ich, wenn das Tier nicht genug frisst?

Ich werde immer zuerst gefragt, ob ich aufnehmen möchte und ich entscheide dann, ob Platz und Zeit ausreichen, um dem Tier angemessen zu helfen.

Von älteren Einzelkatzen über Jungkatzen bis hin zu kleinen Kitten (einzelne, mehrere, mit und ohne Mutterkatze) habe ich bisher alles dabei gehabt. Besonders gerne versorge ich persönlich Waisenkinder, die man von Hand aufziehen muss (Flaschenkinder).

Es bleibt aber jedem selbst überlassen, was er aufnehmen möchte.

Vermittlung

Wie lange ein Pflegetier auf der Pflegestelle bleibt, ist nicht absehbar. Bei Jungkatzen ist die Vermittlung erfahrungsgemäß schneller (jedes Kitten bleibt mindestens bis zur 12. Lebenswoche auf der Pflegestelle). Bei älteren Tieren geht die Vermittlung mal schneller, mal langsamer vonstatten.

Die zu vermittelnden Tiere werden inseriert und sobald sich Interessenten melden (bei der Vermittlerin Eva Volk, Tel.: 0173-9423672) wird die Pflegestelle informiert und ein Termin gemacht, der für alle Parteien passt. Der Besuchstermin dient dem Kennenlernen aller Beteiligten (Tier, Interessent, Pflegestelle, Vermittlung). Erst wenn alle sich kennengelernt haben, wird die Entscheidung für oder gegen eine Vermittlung getroffen. Hierbei hat auch die Pflegestelle Mitspracherecht, denn sie ist es, die das Tier und seine Bedürfnisse am allerbesten kennt.

Ich muss sagen, dass es mir persönlich immer relativ leicht fällt, das Tier ins neue Zuhause abzugeben, eben weil ich die Leute kennenlerne und, wenn sie es möchten, auch in Kontakt bleibe. Ich stehe auch für das spätere Leben gerne beratend zur Seite.

Es ist bisher immer ein sehr schönes Zuhause gefunden worden, wo alles gepasst hat. Am schönsten sind die Berichte und Fotos von glücklichen Tieren und Menschen, die zueinander gefunden haben.

Ich betrachte mich als Hotel „Zwischenstation“, und ich mache das seit Jahren sehr gerne.

SAMT beim Erntedankfest

Von SAMT e.V. Fast zwei Jahre ist es her, dass SAMT das letzte Mal mit dem Tierschutzstand beim Stadtfest in Jülich teilnehmen konnte. Zum Erntedankfest Anfang Oktober war es endlich wieder so weit, und das gleich in dreifacher Größe. Neben dem Pavillon für die Tombola präsentierten sich der Arbeitskreis Nutztiere zum Thema Milch mit veganen Produkten zum Probieren sowie die SPD mit der Aktion „Sozis für Tiere“.
Bei herrlichem Sonnenschein war die Jülicher Innenstadt gut besucht und es hat uns unglaublich gefreut, dass so viele Menschen an unseren Stand kamen.

SAMT e.V. Jülich wird voraussichtlich wieder seine Weihnachtsstände abhalten können. Am Samstag, den 27. November / 4. Dezember / 11. & 12. Dezember  und 18. Dezember können sich bei ordentlichem Wetter die Menschen aus dem Jülicher Land an unserem besonderen Angeboten erfreuen und tun damit auch noch Gutes für unsere Tiere.
Geboten werden viele tierische Informationen rund um Haustiere, „Nutztiere“ und Wildtiere, eine kleine Tombola mit hübschen weihnachtlichen Accessoires, unsere leckeren Weihnachtskekse, Walnüsse, Gewürze, Schmusekissen für Miezekatzen, kreativ Selbstgenähtes und NEU: einen Probierstand mit pflanzlicher Milch – zum Kaffee oder so – und veganen Süßigkeiten.
Wir freuen uns auf regen Besuch und interessante Gespräche.