Giardien – Werden wir alle sterben?

Von Eva Volk/ SAMT e.V. Haben Sie schon von Giardien gehört? Das sind diese entsetzlich gefährlichen Parasiten, die in naher Zukunft das Leben auf der Erde vollständig auslöschen werden. Naja, zumindest, wenn man manchen Leuten glauben will, die beim Stichwort Giardien am Rande der Hysterie stehen. Wenn Sie Langeweile haben, sehen Sie sich doch mal in den einschlägigen Internet-Foren um! Dort sind viele Teilnehmer – und nicht zuletzt Tierschützer – hinsichtlich der weltumspannenden Gefahr durch Giardien kurz vor der Schnappatmung. Seltsamerweise sind Tierärzte in der Regel bei diesem Thema deutlich entspannter. Bis auf solche, die begeistert neue Einnahmequellen generieren.

Darmparasit Giardia
Darmparasit Giardia

Zu den Fakten: Giardien sind einzellige Darmparasiten, die Menschen und Tiere besiedeln können. Giardien können – mit der Betonung auf können – starken Durchfall auslösen. Sind bereits vorerkrankte Tiere betroffen oder immunschwache Jungtiere, so kann die Behandlung zugegebenermaßen eine Herausforderung sein, und ja, dann muss auch – wenn auch selten – mit einem Todesfall gerechnet werden, da die Physis solcher Tiere mit einer weiteren Belastung einfach nicht mehr umgehen kann. Schätzungen gehen davon aus, daß pro Jahr ca. 200 Mio. Menschen an durch Giardien ausgelöstem Durchfall erkranken. Es wird angenommen, dass in Deutschland etwa 10 % aller Erwachsenen infiziert sind. Der Anteil infizierter Kinder ist mindestens doppelt so hoch. Bei Hunden wird von 20 % ausgegangen. Und wissen Sie was? Die allermeisten Infizierten sind völlig symptomlos und werden ein langes Leben haben.

Bisher wurde vermutet, dass alle Giardien-Typen zur Zoonose führen können, d.h. eine Ansteckung zwischen Tier und Mensch bzw. umgekehrt möglich ist. Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass die einzelnen Unterarten im Regelfall bestimmte Spezies bevorzugen und nicht zur Zoonose führen. Die meisten Menschen haben ihre Tiere noch nie auf Giardien testen lassen und wissen nicht einmal, dass ein Befall mit ihnen besteht. Das ist auch nicht weiter tragisch, denn ein gesundes Immunsystem kommt gut damit klar. Bei ungeklärten Durchfällen sollte natürlich die Ursache untersucht werden. Handelt es sich um Giardien, wird i.d.R. Panacur im Rhythmus 5x5x5 verordnet (5 Tage Gabe, 5 Tage Pause, 5 Tage Gabe). Meist reicht dies völlig aus, aber es gibt natürlich auch hartnäckigen Befall. Dann muss mit dem Tierarzt die weitere Vorgehensweise beraten werden. In Haushalten mit mehreren Tieren besteht z.B. die Möglichkeit, dass ein symptomloses Tier der Ausscheider ist und das erkrankte Tier immer wieder ansteckt. Hier muss selbstverständlich eingegriffen werden.

Das soll jedoch nicht heißen, dass in völliger Panik immer und in jedem Fall alle vorhandenen Tiere getestet und behandelt werden müssen. In Tierheimen wäre dies aufgrund der vielen Tiere und der hohen Fluktuation ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Ist jetzt also aus einem guten Grund ein Tier gegen Giardien behandelt worden, sind viele noch nicht am Ende mit ihrer Panik. Da werden ganze Häuser desinfiziert bis der Arzt kommt. Ob das in der Gründlichkeit gelingt, die manchem vorschwebt, ist allerdings zweifelhaft. Manche Böden oder Einrichtungsgegenstände reagieren gar nicht gut auf Dampfreiniger. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass Hygiene unwichtig ist. Im Gegenteil: Sauberkeit im Katzenklo, Entfernung von Kot im Garten usw. helfen die Belastung durch Giardien in der Umgebung zu reduzieren. Somit wird die Gefahr einer erneuten Infektion stark gesenkt. Ist das Tier nach der Behandlung symptomlos, muss es auch mal gut sein. Selbst wenn der erneute Test wieder Giardien nachweist, sollte ein symptomfreies Tier nicht behandelt werden bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

Abschließend ist zu sagen, dass Giardien uns seit Millionen von Jahren begleiten und uns immer noch nicht ausgerottet haben. Erkrankte Tiere mit entsprechenden Symptomen sollten selbstverständlich behandelt werden, aber bitte ohne in Panik zu verfallen! Bitte gehen Sie mit Ruhe an das Thema heran, holen Sie sich Informationen von Fachleuten und meiden Sie unbedingt entsprechende Internet-Chats. In der Regel werden Sie so der Giardien Herr.

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