FORL – Feline odontoklastische Resorptivläsionen

Von Eva Volk/ SAMT e.V. Zugegeben, in der Langfassung ist FORL fast unaussprechlich, aber nicht jedem ist bewusst, dass FORL bei Katzen auch für unaussprechliche Leiden steht. Fälschlicherweise wurde FORL früher auch gerne Katzenkaries genannt, doch mit Karies hat es nichts zu tun.

Bei FORL handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, deren Auslöser nach wie vor nicht bekannt ist. Schätzungsweise jede dritte Katze ist davon betroffen, ab einem Alter von fünf Jahren sogar jede zweite Katze. Da die Ursache unbekannt ist, ist auch eine sinnvolle Prophylaxe, z.B. über Futterumstellung nicht möglich. FORL wurde schon bei Katzen aus dem Mittelalter und aus der Pharaonenzeit sowie wildlebenden Großkatzen nachgewiesen, also kann es nicht nur am „Industriefutter“ liegen, das ja sonst gerne an allem schuld sein soll.

Bestimmte Zellen – die sogenannten Odontoklasten – beginnen aus heiterem Himmel, die Zähne zu zerstören, also die Zahnsubstanz nach und nach abzubauen. Zu Beginn geschieht dies im Bereich von Zahnwurzel und Zahnhals, also im nicht sichtbaren Bereich. Dies führt dazu, dass eine reine Inaugenscheinnahme beim Tierarzt im frühen Stadium keinen Befund liefern kann, da der sichtbare Teil der Zähne durchaus einen guten Eindruck machen kann. Nur durch Dentalröntgen können in solchen Fällen die bereits entstandenen Schäden identifiziert werden. In einem späteren Stadium kommt es zu Verwachsungen der Wurzel mit dem umliegenden Knochen. Je nach Typ der FORL können starke Entzündungen von Zahnfleisch und Maulhöhle entstehen, sowie Parodontitis und Zahnstein. Irgendwann beginnen dann einzelne Zähne abzubrechen. Es entstehen messerscharfe Kanten an den Abbruchstellen, die schmerzhafte Verletzungen in der Mundhöhle zur Folge haben. Im Gegensatz zu Karies bilden die Zähne zudem kein Dentin, um den Nerv zu schützen, sondern der Nerv liegt irgendwann frei und ist allen Reizen schutzlos ausgeliefert. Unglücklicherweise tritt FORL nicht nur an einzelnen Zähnen auf, sondern an allen gleichzeitig. Lediglich das Tempo der Zerstörungen differiert von Zahn zu Zahn.

Katze zeigt ihre Zähne
Auf den ersten Blick wirken die Zähne gesund

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine Katze mit FORL furchtbare Schmerzen erleidet. Da die meisten Katzenhalter ihren Tieren nun nicht unbedingt regelmäßig ins Mäulchen schauen – wo es ggf. erstmal auch nichts zu sehen gäbe – ist es wichtig, auf entsprechenden Symptome zu achten. Dies sind z.B. Fauchen beim Fressen, Fallenlassen des Futters, hastiges Fressen, vermehrtes Speicheln, Kopfschütteln, Mundgeruch, Kratzen mit der Pfote am Maul usw. In diesem Fall sollte die Katze einem Tierarzt vorgestellt werden, der Dentalröntgen anbietet. Eine reine Sondenuntersuchung ist zu wenig. Grundsätzlich sollte der Zahnstatus sowieso mindestens einmal im Jahr beim Tierarzt abgeklärt werden.

Die Behandlung von FORL ist nur radikal möglich, d.h. mittels Extraktion aller befallenen Zähne bzw. aller Zähne, da früher oder später ja doch alle in Mitleidenschaft gezogen werden. Das klingt hart, aber anstatt wiederholter Besuche beim Tierarzt mit jeweils erneuter Narkose und anschließendem Wundschmerz kann so der Leidensdruck auf einen Rutsch von der Katze genommen werden. Nach Möglichkeit sollte die Behandlung unter Inhalationsnarkose erfolgen, da der Eingriff langwierig und nicht einfach ist aufgrund der Verwachsungen von Wurzel und Kieferknochen.

Nach der Entfernung der Zähne hat die Katze eine ganz andere Lebensqualität, da der quälende Dauerzahnschmerz endlich weg ist. Sie kann hervorragend ohne Zähne auskommen, denn sie hat das Gebiss eines Fleischfressers, das nicht auf das Kauen der Nahrung ausgelegt ist. Auch wenn diese Behandlung mit Sicherheit nicht ganz billig ist, so sollte sie doch im Sinne des geliebten Haustiers durchgeführt werden. Denn niemand kann ernsthaft wollen, dass die Katze weiter still vor sich hin leidet.

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