Mollys Kolumne September 2020

Liebe/r Leser/in,

ich möchte heute meine Geschichte vom vergangenen Monat zu Ende erzählen. Erinnere Dich, mein Frauchen wollte ein kleines weiß-schwarzes Kätzchen, das in der Nähe ihrer Arbeitsstelle ausgesetzt oder wild geboren wurde, einfangen. Es tauchte immer mal wieder auf, ließ aber niemanden allzu nah an sich ran. Eine Futterstelle wurde zum Anlocken eingerichtet und mit einer Fotofalle versehen. Gleich in der ersten Nacht wurde ein hungriges Mäulchen ertappt, nur es war nicht die kleine, flauschige Maus.

Kater an Futterstelle

Sehr spät am Abend fand sich ein dicker Brummer von Katze, vermutlich ein Kater, an der Futterstelle ein und leerte genüsslich den Napf. Das war schon eine Überraschung, denn das Tier hatte bis jetzt noch niemand gesichtet. Wozu so eine Fotofalle doch gut ist. Die Extra-Portion Futter hätte er nicht unbedingt nötig gehabt, aber man nimmt ja was kommt.

Für eine Lebendfalle war es noch zu kalt, der Kater hätte die ganze Nacht darin ausharren müssen, bis mein Frauchen morgens zur Arbeit kommt. Also wurde erstmal weiter gefüttert und fotografiert. Es war schon wirklich interessant, wer sich da alles außer unserem Moppelchen auf diesen paar Quadratmetern Wald tummelte: verschiedene Vögel, Mäuse, Igel, ab und zu kam mal ein Reh vorbei und auch ein Fuchs ließ sich gelegentlich ablichten. Und es gab noch eine große Überraschung. Nur kurze Zeit später tauchte eine weitere Katze auf, schwarz-weiß, und wieder nicht unser Jungkätzchen. Über die Wochen blieb es bei den zweien. Die Neue hatte auch schnell raus, wann der getigerte Kater immer auftauchte, und kam dann einfach etwas früher, damit der Napf noch schön gefüllt war. Nicht selten schaute „Tiger“, wie er inzwischen getauft wurde, dadurch in die Röhre.

Reh

Nun hätte es eigentlich ans Einfangen gehen können, aber leider kam Corona dazwischen. Mein Frauchen kam nur noch unregelmäßig zu ihrer Arbeitsstelle und hätte die Falle nicht täglich überprüfen können. So verzögerte sich alles um ein paar Monate, aber es wurde weiter gefüttert und die Gewohnheiten der beiden Miezen sowie der übrigen Waldbewohner mit großem Interesse studiert.

Fuchs

Dann ging es endlich los. SAMT stellte eine Lebendfalle zur Verfügung, die an der Futterstelle zum Einsatz kam. Bereits in der zweiten Nacht hatte Frauchen Glück. Als sie am Morgen nach der Falle sah, hockte das schwarz-weiße Kätzchen darin und fauchte sie an. Direkt ging es mit ihr zum Tierarzt. Es stellte sich heraus, dass es tatsächlich ein Mädchen ist, ca. 1 Jahr alt, aber nicht trächtig. Es gab wie vermutet keinerlei Kennzeichnung und kastriert war sie auch nicht. Das wurde direkt nachgeholt. Ansonsten war sie zum Glück gesund. Eine hübsche, zauberhafte Maus. Mein Frauchen hätte ihr gern ein Zuhause geschenkt, sie war jedoch kein bisschen zahm. Ihr blieb nichts weiter übrig, als sie nach einem Tag Erholung von der Operation wieder am Fundort zu entlassen. Wenigstens einen Namen sollte sie bekommen. Wir nannten sie „Katja“.

Katze in Lebendfalle

„Tiger“ dagegen zierte sich noch eine ganze Weile, aber auch er saß eines Morgens in der Falle. Schwups wurde er zum Tierarzt verfrachtet. Ebenfalls hier: keine Kennzeichnung und unkastriert. Zudem war seine Haut extrem von Zecken befallen. Er wurde entsprechend behandelt und zurückgebracht. Denn während man „Katja“ als nicht zahm beschreiben konnte, ließ „Tiger“ alle wissen, was verwildert wirklich bedeutet. Leider also auch hier keine Chance auf ein Zuhause. Aber der große Erfolg der Aktion ist, das beide Katzen, die sich bekanntlich ein Territorium teilen, nun nicht mehr fortpflanzen können und dem vermeintlichen Nachwuchs dieses Leben, das sie führen müssen, ersparen.

Nach dem großen Schock war von den beiden an der Futterstelle erstmal wochenlang nichts zu sehen. Mein Frauchen sorgte sich schon, ob die beiden alles gut überstanden hatten. Dann lief ihr auf dem Nachhauseweg auf einmal „Katja“ über den Weg. Sie sah gesund aus, ließ sich ansprechen und eine Weile beobachten, bevor sie sich in den Wald zurückzog. Was für eine Freude.

Wenn es jetzt kühler wird, wird mein Frauchen die Futterstelle samt Kamera wieder einrichten, und dann taucht bestimmt auch „Tiger“ irgendwann auf. Vielleicht lässt sich noch das kleine weiß-schwarze Kätzchen blicken, um das es ursprünglich gegangen war, das aber leider schon lange nicht mehr gesichtet wurde. Dieses Schicksal ist noch ungeklärt.

Bis zum nächsten Mal,
Deine Molly SAMTpfote

 

Fotos: Beate Uhlig

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