Aktuelles aus der Tierschutzarbeit

Leni
Foto: Ursula Baumhör

Leni – man guckt den Menschen nur vor den Kopf

Von Eva Volk/SAMT e.V. Manche Fälle lassen einen fassungslos zurück und – zugegebenermaßen – mit der Faust in der Tasche. Doch von vorne:

Vor einigen Jahren meldete sich eine Dame bei uns, deren Katze ungeplant Nachwuchs bekommen hatte. Kein Wunder, im Haushalt lebte ebenfalls ein unkastrierter Kater. Mehr Kätzchen wollte man – zum Glück – unbedingt vermeiden, nur finanziell stellte das Ganze die Halterin vor Probleme. Also wurde der glückliche Vater kastriert und in ein neues Zuhause vermittelt. Die Kätzchen fanden ebenfalls neue Dosenöffner. Nur Leni sollte unbedingt bleiben. Wir hätten sie zwar auch lieber da rausgeholt, aber was soll man machen? Soweit, so klassisch, sozusagen unser täglich Brot.

Vier Jahre vergingen, dann meldete sich die Dame wieder. Sie werde in 2 (!) Tagen zu ihrem neuen Freund nach Süddeutschland ziehen. Leni könne nicht mit, wir möchten sie doch bitte umgehend abholen. Pfffff… Na schön, bevor noch sonstwas passiert, Katze eingetütet und auf eine Pflegestelle gebracht.

Leni stellte sich als freundliches, liebes Tier heraus, das es liebt, wenn Menschen sich um sie kümmern. Schmusen, kuscheln, Köpfchen geben, das volle Programm. Erwartungsgemäß fanden sich schnell Interessenten für die Süße, die einen guten Eindruck machten. Ein katzenerfahrener Kater war bereits vorhanden und da Leni von früher Katzen kannte, hielten wir eine Vergesellschaftung für machbar. Also zog Leni alsbald ins neue Zuhause.

Sie versteckte sich natürlich erstmal unter dem Bett, aber nach kurzer Zeit hörten wir, dass sie bereits die Wohnung in Besitz nahm. Zwischen ihr und dem Kater wurde etwas gebrummelt, aber sonst sollte alles gut laufen. Sogar nebeneinander fressen war schon bald kein Problem. Leni wurde als Träumchen geschildert und man war glücklich, sie zu haben. Super, dachten wir, hat wieder mal alles geklappt.

Danach hörten wir mehr oder weniger ein Jahr lang nichts mehr. Dann leider die traurige Nachricht, dass der Kater verstorben war. Es hieß, Leni hätte ihn doch schon mal gerne ruppig behandelt. Wie denn unsere Meinung dazu wäre, wieder eine Katze zu Leni zu setzen. Und ob wir etwas Passendes da hätten. Naja, hatten wir nicht, aber wir rieten zur Vorsicht und schlugen vor, evtl. besser eine weibliche Katze in Betracht zu ziehen, oder Leni besser allein zu halten. Man wollte drüber nachdenken, denn es wäre ja sowieso noch viel zu früh.

Bedauerlicherweise kam sehr bald die nächste Nachricht. Sinngemäß wie folgt: „Wir haben eine kleine Katzendame geholt. Leni hasst sie. Sie müssen Leni abholen!“ – ????? – „Wir wollten immer schon zwei Katzen haben. Wenn Leni damit nicht klar kommt, muss sie weg.“ Alles gut zureden und Lösungsmöglichkeiten vorschlagen half nicht, Leni musste abgeholt werden. Hatte sich was mit „älteren Rechten“.

Ist das zu fassen? Angeblich liebt man das Tier über alles und dann kann man nicht akzeptieren, dass es die neue Katze nicht mag? Würde man nicht mit Bedauern die neue Katze zurückgeben? Nein, es müssen unbedingt 2 sein. Also, Pech gehabt. Wir waren ganz ehrlich mehr als fassungslos. Nichtsdestotrotz kümmern wir uns um unsere Tiere und fuhren los, um Leni abzuholen. Relativ leidenschaftslos wurde uns die Süße in die Hand gedrückt. Da kann man es sich nicht verkneifen, sich nochmal umzudrehen und seine Enttäuschung über soviel Egoismus kundzutun. Jungejunge, wurde die Tür laut zugeknallt.

Als i-Tüpfelchen hagelte es danach noch Nachrichten. „Sie hat unserem Kater das Leben zur Hölle gemacht“ – Interessant, war bisher keine Rede von. Und das hat man sich ein Jahr lang bis zu seinem Tod angeguckt und will dann wieder eine Katze dazu? – „Die hat doch niemals mit einer anderen Katze zusammengelebt. Wir kennen uns mit Katzen aus, sonst wäre sie nicht so“ – Ja, ist klar, wahre Katzenkenner. Und dann, und das schlägt dem Fass den Boden aus, –  „Wir hätten sie ja auch aussetzen können“. Jeglicher Kommentar zu letzterem entfällt aus Jugendschutzgründen.

Womit wieder mal klar wird: Man kann sich noch soviel Mühe geben, letzten Endes guckt man den Menschen immer nur vor den Kopf. Auch wir sind leider nicht davor gefeit, bedauerlicherweise ab und zu ins Klo zu greifen. Zu unserem großen Bedauern war Leni die Leidtragende.

Wie auch immer, Leni war naturgemäß ziemlich durcheinander und ziemlich eingeschüchtert. Zum Glück hat sich eine neue Familie für das Spätzchen gefunden. Dort darf Leni ganz allein die Aufmerksamkeit aller Familienmitglieder genießen und fühlt sich sehr wohl. So hat Leni doch noch ihr wohlverdientes Happy End.

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